Landschaft im Wandel
In Ausgabe 7/2026 ist im Magazin Naturfoto ein umfangreicher Artikel über mein fotografisches Projekt „Land unter“ erschienen. Darin gehe ich der Frage nach, wie die allgegenwärtigen Veränderungen in der Landwirtschaft in meiner Heimatregion, dem Oldenburger Münsterland zu beurteilen sind und wie diese mein Verständnis von Landschaftsfotografie verändern. Hier eine kurze Zusammenfassung:
„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Dieser Satz, der häufig Heraklit zugeschrieben wird, begleitet mich bei meinem fotografischen Blick auf das Oldenburger Münsterland immer wieder. Landschaft ist niemals statisch. Sie verändert sich durch natürliche Prozesse – aber ebenso durch das, was wir Menschen mit ihr tun. Kaum irgendwo wird das deutlicher als in meiner Heimat, einer Region, die stark von Landwirtschaft und intensiver Nutzung geprägt ist.
Über Jahrzehnte haben Technisierung, Flurbereinigung, Düngung, Tierhaltung und moderner Obst- und Gemüsebau das Landschaftsbild verändert. Diese Entwicklung hat Wohlstand geschaffen und die Landwirtschaft leistungsfähiger gemacht. Doch sie hat auch Spuren hinterlassen.
Besonders deutlich wird das im Frühjahr. Große Flächen werden mit Folien, Vliesen und Kunststoffgeweben bedeckt. Erdbeeren, Spargel, Salat und andere Kulturen können dadurch früher geerntet, vor Frost geschützt und effizienter angebaut werden. Was aus landwirtschaftlicher Sicht sinnvoll und nachvollziehbar ist, verändert zugleich den Anblick der Landschaft.
Mein erster Eindruck war Ablehnung. Die großflächigen Kunststoffabdeckungen wirkten auf mich monoton, künstlich und fremd. Wo ich Natur und gewachsene Landschaft erwartete, sah ich plötzlich geometrische Strukturen und eine fast industrielle Ordnung.
Doch dann begann ich, genauer hinzusehen.
Mit der Drohne veränderte sich mein Blick auf diese Landschaft.
Aus der Luft lösen sich die einzelnen Felder aus ihrem gewohnten Zusammenhang. Linien, Flächen, Farben und Muster werden sichtbar. Die Perspektive von oben lässt eine überraschende grafische Ästhetik entstehen. Was am Boden fremdartig oder störend wirkt, wird aus der Vogelperspektive zu einer abstrakten Komposition.
Genau darin liegt für mich der Reiz dieses fotografischen Projekts.
Ich möchte nicht nur die Landschaft zeigen, wie wir sie gerne sehen: schön, ursprünglich und unberührt. Ich möchte auch das fotografieren, was uns vielleicht zunächst stört. Die Folienfelder gehören ebenso zu meiner Heimat wie alte Baumreihen, Moore, Wälder oder Wiesen. Sie sind Ausdruck unserer Zeit – und damit ein Teil der Landschaft, die wir selbst geschaffen haben.
Die Beschäftigung mit diesem Thema hat meinen Blick verändert. Aus anfänglicher Ablehnung wurde Interesse, aus Interesse wurde Auseinandersetzung. Gespräche mit Landwirten, Flächeneigentümern, Behörden, Politikern und Wissenschaftlern haben mir gezeigt, wie komplex die Zusammenhänge sind. Hinter jeder Veränderung stehen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Was aus der einen Perspektive problematisch erscheint, kann aus einer anderen sinnvoll oder sogar notwendig sein.
Landschaftsfotografie kann deshalb mehr sein als die Suche nach dem schönen Bild.
Sie kann dokumentieren, Fragen stellen und sichtbar machen, was wir im Alltag längst übersehen haben. Sie kann den Finger auf Veränderungen legen, ohne vorschnelle Antworten zu geben.
Dieses Projekt hat mich deshalb ermutigt, meinen fotografischen Blick zu erweitern. Ich möchte weiterhin die stillen, schönen und ursprünglichen Seiten meiner Heimat fotografieren. Aber ebenso die Spuren des Wandels. Denn vielleicht beginnt eine bewusste Auseinandersetzung mit unserer Landschaft genau dort, wo wir bereit sind, auch das zu fotografieren, was wir zunächst lieber nicht sehen möchten.









