In meinem ersten Beitrag in dieser Serie ging es um den weißen Hintergrund und das Weglassen. Dabei diente der weiße Schnee als Vorder- und Hintergrund zugleich, um das Motiv aus dem Kontext herauszulösen und damit zu betonen. In diesem Beitrag dient das Wetterphänomen des Nebels dazu, das Motiv einzuhüllen und je nach Dichte, aus dem Umfeld herauszulösen. Wenn die Feuchtigkeitströpfen des Nebels durch die Landschaft treiben, dann setzen sie sich auch an Zweigen oder Ästen ab. Bei Minustemperaturen bilden sich dann bizarre Eisgebilden. Nebellandschaften sind also im Panorama ebenso interessant, wie im Nahbereich.

Schon der Nebel als solches verwandelt eine Landschaft leicht in einen mystischen Ort. Die Szenerie wirkt stimmungsvoller, traumhafter oder entrückter. Kein Wunder, dass der Nebel in der Landschaftsmalerei der Romantik eine große Rolle spielte. Beispielsweise in den Arbeiten von Caspar David Friedrich, diente Nebel als zentrales Gestaltungsmittel, um Erhabenheit, Melancholie und das Geheimnisvolle der Natur darzustellen. Er erhöht die Einbildungskraft, symbolisiert das Ungewisse, die Suche nach Wahrheit und dient als Projektionsfläche für emotionale Tiefe sowie spirituelle Reflexion.

Das Fotografieren in einer Nebellandschaft bringt einige Herausforderungen mit sich, auf die ich nachstehende kurz eingehen werden:

Da das Wetterphänomen des Nebels eher selten auftritt, bedarf es einige Vorbereitungen, um gute Fotos zu machten. Zunächst stellt sich die Fragen, wann sich Nebel überhaupt bildet. Dazu bedarf es einer hohen Luftfeuchtigkeit. Im Spätsommer oder beginnenden Herbst sind es meist die Tage, an denen es tagsüber noch angenehme Temperaturen gibt, die von einer kalten Nacht gefolgt werden. Dann verspricht es am darauffolgenden Morgen nebelig zu sein. Die Landschaft bei dichtem Nebel völlig anders aussieht und die Sicht naturgemäß begrenzt ist, ist es ratsam vorab die möglichen Motive auszukundschaften. In meiner Region habe ich mir für diesen Zweck einige Bäume, Uferabschnitte und Moorlandschafen ausgewählt, die ich dann gezielt anfahre

Der Wahl der Brennweite kommt eine besondere Bedeutung zu. Hat man einen schönen Vordergrund oder führende Linie, z. B. Äste eines Baumes, dann kann man mit dem Weiwinkelobjektiv ganz bewusst Tiefe ins Bild bringen. Mit dem abnehmenden Kontrast des Bildes verliert sich das Motiv langsam im Diffusen.

Anders ist es beim Teleobjektiv. Mit zunehmender Brennweite wird die Landschaft gleichsam verdichtet. Die Nebelwirkung wird verstärkt und kann wie ein Schleier wirken, durch den hindurch alles nur noch schemenhaft wirkt. Ob nun ein starkes Weiwinkel oder mittleres Tele zu Einsatz kommt, hängt dann maßgeblich von der Intention des Fotografen ab.

Zudem kann es sein, dass der Autofokus in dichtem Nebel Probleme bekommt, da er nicht genügend Kontraste hat, um sich zu orientieren. Daher ist es dann empfehlenswert manuell zu fokussieren. Im Übrigen ist das auch eine sehr entschleunigte Art der Fotografie, die sehr viel Freude bereiten kann.

Für die Kameraeinstellungen möchte ich folgende Dinge zu bedenken geben. Nebelbilder leben meiner Meinung nach von einer präzisen Bildbearbeitung. Ein helles Weiß, feine Texturen, nur so viel Kontrast wie nötig und ein Weißabgleich der die Stimmung des Bildes fördert. Daher nutze ich immer das RAW-Format, um in der Nachbearbeitung in Adobe Lightroom das volle Potenzial der Daten nutzen zu können.

Den ISO-Wert wähle ich so niedrig wie möglich. Da ich immer mit einem Stativ unterwegs bin, muss ich die Verwacklungsunschärfe nicht fürchten. Das erlaubt mir mit ISO 100-200 zu fotografieren. In der Landschaftsfotografie arbeite ich meist mit Blende 11. Das gibt eine technisch optimale Abbildung, da noch keine Beugungsunschärfe auftritt und meistens genügend Tiefenschärfe vorhanden ist. Möchte man hingegen ein Landschaftselement besonders betonen oder die unscharfe Wirkung im Bild betonen, dann kann es auch sinnvoll sein, mit größeren Blendenöffnungen zu arbeiten.

Hinsichtlich der Belichtung kann eine länger Verschlusszeit von 1/30 Sekunde oder auch deutlich länger zu einer fließenden Wirkung des Nebels führen und eine weiche, verschleiernde Szenerie hervorbringen. Das setzt allerdings den Einsatz eines Stativs voraus. Um den Weißabgleich kümmere ich mich bei der Fotografie im Gelände nicht. Hier arbeite ich mit der Automatik oder manuell mit 5.000 Kelvin. Da ich das RAW-Format nutze, kann ich die Farbtemperatur bei der Bildentwicklung maßgeschneidert der Intention des Bildes anpassen. Meist wähle ich einen etwas kühleren Farbton. Da in einer Nebellandschaft die hellen Partien im Bild überwiegen, kommt es bei der Belichtungsmessung in der Regel zu Fehlmessungen, die in der Folge zu Unterbelichtungen der Bilddatei führen. Hier empfiehlt es sich eine Referenzmessung an der Graukarte vorzunehmen oder unter Berücksichtigung des Histogramms in der Kamera die erforderlich Belichtungskorrektur einzustellen. Natürlich kann man die Belichtung auch in der Bildbearbeitung korrigieren, doch eine richtig belichtete Datei spart in der Nachbearbeitung Zeit und da anheben der Tiefen kann auch das Bildrauschen einer Datei verstärken. Und dann noch ein ganz praktischer Tipp. Nebel ist Feuchtigkeit, die sich auch schon mal vor der Linse niederschlägt. Daher ist es ratsam, ein Objektivtuch dabei zu haben, um hin und wieder die Feuchtigkeit von der Ausrüstung abzuwischen.

Nebel ist aber nicht nur ein Phänomen, das unmittelbar bei der Landschaftsfotografie genutzt werden kann. Bei Frost schlägt sich der Nebel als Raureif nieder. Daher lohnt es sich an Nebeltage mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, einen Blick in die Welt der keinen Dinge zu werfen.

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