Im Rahmen meines fotografischen Projekts über das Naturerbe meiner Heimat widme ich mich derzeit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Im Laufe des Jahres wird es dazu noch weitere Beiträge geben. In dieser Woche führte mich mein Weg zu einer besonderen Landschaft innerhalb des Parks: den Kratteichenwäldern in der Cuxhavener Küstenheide.
Diese alten Wälder sind ein faszinierendes Naturphänomen und vor allem für ihre bizarren, knorrigen Baumformen bekannt. Geprägt vom rauen Küstenklima haben sich hier einzigartige Strukturen entwickelt. Einige Abschnitte des Kratteichenwaldes liegen auf einem alten Riff und wirken wie ein natürlicher Deich. Der Leiter des Nationalparks, Peter Südbeck, brachte die Besonderheit dieses Ortes einmal treffend auf den Punkt: „Hier ist der einzige Ort, an dem man Schwarzspecht und Rotschenkel gleichzeitig hören kann.“ Der Grund dafür liegt in der unmittelbaren Nähe des Waldes zu den Salzwiesen der Wurster Küste.
Charakteristisch für den Kratteichenwald ist seine ungewöhnliche Wuchsform. Die Bäume wachsen nicht hoch und gerade, sondern bleiben niedrig, stark verzweigt und wirken fast gedrungen. Ursache dafür ist vor allem der stetige, salzhaltige Wind von der Nordsee, der die Bäume permanent beeinflusst. Er hemmt das Wachstum auf der Wetterseite und führt zu den typischen, windschiefen Formen. Hinzu kommt die historische Nutzung dieser Wälder als Niederwald zur Brennholzgewinnung. Durch das regelmäßige „Auf-den-Stock-Setzen“ wurde die mehrstämmige, buschige Struktur zusätzlich gefördert. Heute sind diese Wälder nicht nur ein Zeugnis früherer Wirtschaftsweisen, sondern auch eine biologische Besonderheit im Herzen des Nationalparks.
Für die fotografische Umsetzung brauchte es letztlich weniger Ausrüstung als vielmehr Geduld. Zum Einsatz kamen ein 24–70 mm f/2.8, eine hochauflösende Kamera und ein Stativ. Um eine große Tiefenschärfe zu erreichen, wählte ich Blende 16, was entsprechend lange Belichtungszeiten erforderte – das Stativ war daher unverzichtbar. Entscheidend war jedoch weniger die Technik als das Wissen um dieses Kleinod und die Bereitschaft, auf das richtige Licht zu warten – bis die letzte Abendsonne die Szenerie in eine besondere Stimmung tauchte.










