Für mich beginnt der Frühling erst richtig mit dem Start der Brutvogelsaison in der Dümmerniederung. Bei meinem ersten Besuch in diesem Jahr war ich überrascht von den enormen Wassermassen, die sich noch im Ochsenmoor ausbreiteten. Die Wiesen waren nicht einfach nur feucht – sie standen großflächig unter Wasser. So muss die Landschaft vor der Eindeichung von See und Hunte in jedem Frühjahr ausgesehen haben.
Kein Wunder also, dass vor allem Enten und Blässhühner das Bild bestimmten. Auch die ersten Trupps der Uferschnepfen waren bereits eingetroffen. Allerdings wirkten sie noch rastlos, noch nicht in Paaren organisiert und offensichtlich gerade erst angekommen. Also konzentrierte ich mich auf das, was sich bereits gut beobachten ließ: die Rallen. An mehreren Stellen versammelten sie sich in großen Gruppen auf den überschwemmten Wiesen. Ich vermute, dass diese Ansammlungen nicht zuletzt auch dem Schutz dienen – denn mit Angriffen durch den Seeadler muss man hier jederzeit rechnen.
Mit der einsetzenden Balzzeit der Blässhühner und der hohen Individuendichte sind Konflikte nahezu unvermeidlich. Jede Bewegung, jeder Laut wird von potenziellen Rivalen registriert und als Herausforderung verstanden. Für mich war das eine ideale Gelegenheit, mich fotografisch mit dem Verhalten dieser schwarzen Vögel auseinanderzusetzen.
Deutlich war zu erkennen, dass viele Paare bereits zueinander gefunden hatten. Einige versuchten, im dichten Schilf entlang der Gräben geeignete Brutplätze zu etablieren. Eindringlinge wurden dabei konsequent und unmissverständlich vertrieben. Ich hielt mich daher gezielt in der Nähe bereits besetzter Reviere auf – in der Hoffnung auf spannende Auseinandersetzungen. Und tatsächlich: Es dauerte nicht lange, bis es zu heftigen Kämpfen kam. Mit langer Brennweite konnte ich immer wieder eindrucksvolle Szenen festhalten. Das Foto zeigt besonders gut, wie groß und wehrhaft die Krallen der Blässhühner sind.
Auf dem Heimweg kam ich schließlich an der Saatkrähenkolonie am Marler Graben vorbei. Auch hier herrschte rege Betriebsamkeit. Die Krähen waren damit beschäftigt, ihre Nester zu besetzen und auszubessern. Und wie schon zuvor bei den Blässhühnern bestimmten auch hier Streit und Konkurrenz das Geschehen: In luftiger Höhe wurde um die besten Brutplätze gerungen, während am Boden – wie auf dem Bild zu sehen – um jedes noch so geeignete Stöckchen für den Nestbau gekämpft wurde.
So ist das Leben in der Kolonie: Es bietet Schutz vor Feinden – und ist zugleich ständiger Anlass für Zank und Streit.










