Die Bekassine gehört zu den Vögeln, die in meiner Jugend allgegenwärtig waren. Immer wenn ich mit meinem Vater im Moor unterwegs war, flog in den feuchten Moorwiesen eine Schnepfe vor unseren Füßen auf, oder wir hörten ihr „Meckern“ hoch über uns am Himmel. Eines war jedoch stets gleich: Wir sahen sie nicht, denn sie war klein und zugleich sehr schnell.
In den vergangenen Jahrzehnten habe ich die Bekassine zwar häufig fotografieren können, doch ein wirklich gutes Bild von ihrem Balzflug war mir bislang nicht gelungen.
In den Morgen- und Abendstunden ist während der Balzzeit das „Meckern“ der Bekassine zu hören. Dabei handelt es sich um einen Instrumentallaut, der durch die speziell versteiften äußeren Steuerfedern erzeugt wird. Die kleine Schnepfe lässt sich aus etwa 50 Metern Flughöhe in einem Winkel von 45 bis 90 Grad herabfallen. Dabei vibrieren die abgespreizten äußeren Steuerfedern im Luftstrom und erzeugen ein summendes Geräusch. Die Tonfolge, die einem Meckern ähnelt, entsteht dadurch, dass der Luftstrom in schnellen Abständen von den ebenfalls abgespreizten Flügeln unterbrochen wird. Da der Vogel während des Hinabgleitens an Geschwindigkeit gewinnt, verändert sich auch die Lautstärke.
Kürzlich war ich am Abend im Ochsenmoor am Dümmer unterwegs, um nach den Uferschnepfen und ihrem Nachwuchs zu schauen. Da meckerte es wieder am Himmel, und ich sah eine Bekassine in langen Wellenbewegungen vorbeiziehen. Doch das geschah nicht nur einmal, sondern immer wieder. Es war förmlich eine Einladung, mein Glück noch einmal zu versuchen.
Statt mit dem Stativ zu fotografieren, versuchte ich es freihändig. Das war eine gute Entscheidung, denn so konnte ich deutlich flexibler agieren. Zunächst versuchte ich, mein Wunschbild mit 840 mm Brennweite aufzunehmen. Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie schwierig es war, den rasant und zackig fliegenden Vogel bei diesem engen Bildausschnitt im Sucher zu behalten. Deshalb nahm ich den Konverter vom 600-mm-Objektiv zur Seite und arbeitete mit einem größeren Sichtfeld weiter. Meine Erfolgsquote stieg daraufhin sprunghaft an.
Als ich die ersten Bildserien kontrollierte, fielen mir sofort einige vielversprechende Aufnahmen auf. Zudem ist bei kürzerer Brennweite die Gefahr geringer, das Bild zu „verreißen“, also das Objektiv schneller zu schwenken, als der Vogel tatsächlich fliegt. Ich entschied mich für eine Belichtungszeit von 1/4.000 Sekunde, Offenblende 4 und ISO-Automatik. So gelangen mir an diesem Abend Bilder, die mein Portfolio zur Bekassine deutlich bereichern.

Bekassine rufend auf ihrer Ansitzwarte.

Bekassine bei der Nahrungssuche im Flachwasser.

Bekassinen sind schnelle und wendige Flieger, deren Fluggeschwindigkeit bis zu 70 km/h betragen kann.

Gefiederpflege ist eine Art Lebensversicherung für die Bekassine.

Gut getarnt schreitet der kleine Schnepfenvogel das Ufer entlang.









