Und wieder führt mich mein Weg in den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Für mein Buchprojekt möchte ich weitere Bilder von Flussseeschwalben aufnehmen. Doch bevor es um die Aufnahmen selbst geht, möchte ich Sie an den Gedanken teilhaben lassen, die mich im Vorfeld einer solchen Exkursion begleiten. Denn gute Naturfotografie beginnt lange, bevor die Kamera ausgelöst wird.
Da ist zunächst eine Stimme, die sagt: Du hast doch längst unzählige Bilder von Flussseeschwalben. Sie stellt infrage, ob es überhaupt nötig ist, noch mehr Aufnahmen von Sterna hirundo zu machen. Eine andere Stimme meldet sich zu Wort und meint, es wäre doch viel effizienter, zum Eidersperrwerk zu fahren. Dort sind die Seeschwalben zahlreich, leicht zu beobachten und an Menschen gewöhnt. Wieder eine andere gibt zu bedenken, dass ich ohnehin schon viel zu viele Bilder habe und die Auswahl für das Buch am Ende nur noch schwieriger wird.
Alle diese Einwände sind berechtigt. Daran besteht kein Zweifel. Und trotzdem lautet meine Antwort fast immer: Egal!
Denn beim Fotografieren geht es mir nicht nur um das fertige Bild. Natürlich ist es das Ziel, eine gelungene Aufnahme mit nach Hause zu bringen. Aber ein fotografisches Projekt besteht aus weit mehr als seinen Ergebnissen. Ich entscheide mich immer wieder für den Weg nach draußen – für das Unterwegssein, das Beobachten und die Wiederholung.
Den kritischen Stimmen würde ich deshalb antworten: Es geht nicht immer nur um ein weiteres Bild. Das Erleben vor Ort ist genauso wichtig. Vielleicht mache ich eine Beobachtung, die den Anstoß für etwas völlig Neues gibt. Vielleicht begegne ich Menschen, die das Projekt bereichern. Vielleicht verbringe ich einfach einen wunderbaren Tag in der Natur und tanke neue Kraft. Oder vielleicht entsteht genau an diesem Tag das eine Bild, das alle anderen übertrifft.
Und noch etwas ist mir wichtig: Für ein Buch über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wünsche ich mir Bilder, die dort entstanden sind – authentische Aufnahmen, die den Charakter dieses einzigartigen Lebensraums widerspiegeln.
Mein Rat für die Naturfotografie lautet deshalb: Die Hoffnung muss stärker sein als der Zweifel. Also: raus in die Natur!
Genau das habe ich getan. Einen Tag lang durfte ich Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an den Flussseeschwalben begleiten. Unter einem stahlblauen Himmel trugen die Vögel Stinte und Wittlinge in einer kaum vorstellbaren Anzahl und Größe in ihre Kolonie. Dieses geschäftige Kommen und Gehen war ebenso faszinierend wie beeindruckend – ein Naturschauspiel, das einmal mehr zeigte, warum sich jeder Zweifel lohnt.














