Es gibt viele Formen der Naturfotografie. Mein Mentor Fritz Pölking hat einmal gesagt:

„Ein guter Naturfotograf zu werden ist nicht schwer, man braucht dazu lediglich: Das handwerkliche Können des Fachfotografen, die kreative Gestaltungskraft des Künstlers, die Neugier des Journalisten, den Jagd- und Beutetrieb eines Jägers, die Besessenheit und Konsequenz des Wissenschaftlers und die Liebe des Naturschützers zu den Geschöpfen.“

Fritz Pölking zeigt hier auf, wie vielfältig das Handlungsfeld der Naturfotografie ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass gerade in dieser Verschiedenheit ihre Stärke liegt. Nur so kann Naturfotografie den vielfältigen Zwecken dienen – der Naturkunde, dem Umweltschutz, der Dokumentation und Interessenvertretung, der Bildung oder der künstlerischen Auseinandersetzung.

Ich bin der Meinung, dass es für den eigenen Schaffensprozess hilfreich ist, sich darüber klar zu werden, welcher tieferen Intention man mit seiner Fotografie folgt. Bei mir hat sich dieser Ansatz im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Ich kann und will daher nicht sagen, dass ich heute oder in Zukunft immer nur einem einzigen Weg folgen möchte oder kann. Es ist wichtig, zu experimentieren, die eigenen Fähigkeiten und Sichtweisen weiterzuentwickeln und sich immer wieder auszuprobieren. Wenn ich jedoch meine Arbeit über die vergangenen Jahrzehnte betrachte, erkenne ich eine Konstante. Und wenn ich tief in mich hineinhorche und beobachte, was mir besonders viel Freude bereitet, dann ist es das Erzählerische.

Ich möchte mit meinen Bildern andere Menschen an der Faszination meiner Beobachtungen teilhaben lassen. Die Grundlage dafür bildet das naturkundliche Wissen über das, was ich beobachte und fotografiere. Daher ist es für mich von großer Bedeutung, zu verstehen, was ich sehe und fotografiere. Dazu gehört unter anderem auch die Artenbestimmung. Ich möchte Vögel nicht nur als Objekte meiner fotografischen Tätigkeit betrachten. Vielmehr begreife ich sie als Teil der Schöpfung – so wie auch ich ein Teil davon bin.

Wenn man Naturfotografie mit einer gewissen Professionalität betreibt, ist es unumgänglich, sein Bildarchiv sorgfältig zu pflegen. Dazu gehören die präzise Beschreibung und Verschlagwortung der Bilder. Diese Arbeit und eine exzellente Bildbearbeitung sind heute wichtige Voraussetzungen dafür, dass ein Bild dauerhaft Bestand haben kann.

Kürzlich war ich mit Wissenschaftlern im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer unterwegs. Im Rahmen der Exkursion haben wir auch eine Brutvogelkolonie betreten, um bestimmte Daten zu erheben und Proben zu entnehmen. Dabei ist eine Vielzahl von Fotografien entstanden, die aus rein künstlerischer Sicht vielleicht bedeutungslos sind, mein Portfolio über die Vögel des Nationalparks jedoch deutlich erweitern. Um die Bilder wissenschaftlich korrekt zu bestimmen, suche ich den Rat von Fachwissenschaftlern und den Austausch mit ihnen. Nur so kann ich sicherstellen, dass die Angaben zu den Bildern tatsächlich stimmen.

Daher ist es für mich sehr wichtig, Teil von Netzwerken und Beziehungsgeflechten zu sein, in denen ein solcher Austausch auf vertrauensvoller Basis möglich ist. Auch das ist für mich ein wichtiger Baustein erfolgreicher Naturfotografie.

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