Durch meine aktuellen Projekte komme ich momentan etwas weniger dazu, die Moore meiner Region zu besuchen. Doch ein sommerlicher Juliabend lud mich ein, einmal wieder im Moor nach dem Rechten zu sehen.

Die langanhaltende Hitzeperiode hatte bereits deutliche Spuren in der Landschaft hinterlassen. Im Mooratlas 2023 – im Übrigen eine sehr empfehlenswerte und kostenlose Lektüre – wird es treffend formuliert: „Moor muss nass!“ Und genau das ist das Moor derzeit nicht. Es ist trocken, wohin man schaut.

Dem Moor fehlt sein Lebenselixier: das Wasser. Und das hat weitreichende Folgen. Die Moorbrandgefahr steigt steil an, ganze Libellenpopulationen sind bedroht, Molche liegen auf dem Trockenen. Im Herbst werden Gewässer für rastende Zugvögel fehlen, die Birke hält unaufhaltsam Einzug in das aufwendig renaturierte Moor und die CO₂-Emissionen steigen drastisch an. Und das ist noch immer nur eine unvollständige Aufzählung der aktuellen Folgen der Hitze in unseren Mooren.

Doch zurück zu meinem Juliabend.

Am Rand einer Pütte fand ich eine trockengefallene Stelle, auf der Sonnentau wuchs und langsam, aber sicher trockene Füße bekam. Ein wunderbares Motiv, mit dem ich mich in der folgenden Stunde intensiv beschäftigte.

Zunächst stelle ich mir in solchen Situationen die Frage: Wie könnte mein Idealmotiv aussehen? Die Tentakel des Sonnentaus sollten freigestellt sein und möglichst im Gegenlicht glitzern. Damit war klar, dass ich mich unmittelbar auf dem Boden bewegen musste, um die nur wenige Zentimeter große Pflanze vor einem freien Hintergrund ablichten zu können. Auf dem ausgetrockneten Boden war das ausnahmsweise einmal nicht besonders schwierig.

Auf diese Weise entstand das erste Bild.

Das Foto ist sachlich und beschreibend. Allerdings fehlt ihm ein gewisses „Extra“. Da dem Moor etwas Mystisches anhaftet, überlegte ich, wie ich dem Bild eine entsprechende Wirkung verleihen könnte.

Ich entschied mich für einen Trick mit dem „Küchenschwamm“. Dazu wird ein handelsüblicher, spiralförmig gewickelter Edelstahlschwamm so vor das Objektiv gehalten, dass man durch das Loch in der Mitte einen freien Blick auf das Motiv erhält. Wird der Schwamm dann noch ins Gegenlicht gehalten, entstehen an vielen Stellen der Edelstahlspirale Lichtbrechungen, die ein wunderbares Bokeh hervorzaubern.

Auf diese Weise entstand Bild 2. Die sachliche Darstellung des ersten Motivs wurde dabei um eine spielerische Lichtführung und ein zusätzliches Framing ergänzt.

Wenn ich ein solches Motiv entdecke, verbringe ich in der Regel viel Zeit damit. Dieses immer tiefere Einsehen und Eindenken in ein Motiv ist für mich häufig der Weg zu guten Bildern.

Nachdem meine ersten Bildideen umgesetzt waren, entdeckte ich in der Nähe weitere Pflanzengruppen. In einer davon hatte sich eine Libelle verfangen (Bilder 3 und 4). Diese Situation veranschaulicht eindringlich, woher die Bezeichnung „fleischfressende Pflanze“ stammt.

Dieser Besuch im Moor hat mich wieder einmal darin bestärkt, mich lange und intensiv mit einem Bildmotiv zu beschäftigen. Für mich ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu gelungenen Naturfotos.

 

 

 

 

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