Wissen Sie noch, was Sie am 1. Mai 1988 gemacht haben? Wo waren Sie, und wie haben Sie diesen Tag verbracht? Auf diese Frage hätte ich wohl keine schlüssige Antwort geben können. Schließlich sind seitdem 38 Jahre vergangen. Doch kürzlich erhielt ich von einem Schulfreund eine Aufnahme, die mich unmittelbar in diese Zeit zurückversetzte.

Das Foto entstand genau an jenem 1. Mai 1988 anlässlich der Eröffnung des ersten Industriemuseums in meiner Heimatstadt Lohne. Aufgenommen hat es Heinz Zurborg, die damalige Fotografenlegende der Oldenburgischen Volkszeitung. Sein umfangreiches Fotoarchiv wurde durch die Stadt Vechta und den Heimatbund für das Oldenburger Münsterland digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es umfasst rund 350.000 Schwarz-Weiß-Negative aus den Jahren 1952 bis 1995 und dokumentiert eindrucksvoll die Geschichte des Oldenburger Münsterlandes.

Und auf einem dieser Bilder hat mich mein Schulfreund entdeckt! Damals war ich 23 Jahre alt und noch Student. Mein Studium finanzierte ich zu einem großen Teil mit der Fotografie, unter anderem mit Aufträgen in der Pressefotografie. Auf dem Foto zeigt der damalige ehrenamtliche Bürgermeister und Museumsinitiator Helmut Göttke-Krogmann einem Ehrengast eine alte Maschine zur Korkverarbeitung.

Als ich die Aufnahme sah, konnte ich mich plötzlich wieder an die damalige Situation erinnern. Ich wollte die beiden Personen gerne von vorne fotografieren. Meine Nikon F3 hatte allerdings weder ein Klappdisplay und Autofokus noch sonstige technische Hilfsmittel, wie wir sie heute kennen. Also musste ich die mit einem Nikkor 2,8/28 mm ausgestattete Kamera „blind“ in Richtung des Motivs halten. Dass die Kamera beim Auslösen und beim Weiterspulen des Films mit dem Motordrive MD-4 ordentlich „schepperte“, machte die Sache nicht einfacher. Allzu viele Aufnahmen konnte ich mir deshalb nicht erlauben. Wenig später, in der Dunkelkammer, zeigte sich nach der Entwicklung des Ilford HP5: Ich hatte die beiden tatsächlich getroffen! Das Aufmacherfoto für die nächste Zeitungsausgabe war gesichert.

Wenn ich heute auf diese Aufnahme zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich die Fotografie seit damals verändert hat. Keine Displays, kein Autofokus, keine digitale Sofortkontrolle, keine unbegrenzte Zahl an Aufnahmen. Stattdessen waren Erfahrung, Augenmaß und manchmal auch ein wenig Glück gefragt.

Es waren herrliche Zeiten!

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