Wenn ich es genau betrachte, bin ich Jahr für Jahr auf denselben Pfaden unterwegs. Meine naturfotografischen Betätigungsfelder sind im Wesentlichen die Naturräume der Region, in der ich lebe. Sie bilden zugleich die Grundlage für mein Langzeitprojekt „Unser Naturerbe bewahren“. Daher überrascht es kaum, dass auch die Abfolge der Motive in meinem Archiv von Jahr zu Jahr gewisse Ähnlichkeiten aufweist.
Man könnte das als eintönig empfinden. Bei einem Künstler würde man hingegen sagen, dass er sein Thema gefunden hat. Nun bin ich kein Künstler, sondern Naturfotograf – und damit durchaus zufrieden. Was will man mehr?
Wenn ich jedoch meine Aufnahmen, beispielsweise aus dem Frühlingswald, über die Jahre hinweg vergleiche, fallen mir deutliche Veränderungen in der Bildsprache auf. Sie hat sich spürbar weiterentwickelt. Trends und persönliche Vorlieben werden sichtbar. Die Motive treten heute mit größerer Klarheit hervor, der technische Fortschritt eröffnet neue kreative Möglichkeiten, und auch meine Fähigkeiten in der Bildbearbeitung haben sich merklich verbessert. Darüber hinaus zeigt sich ein tieferes Verständnis für das, was sich vor meiner Linse befindet und schließlich im Bild festgehalten wird.
Den fotografischen Ansatz der High-Key-Fotografie habe ich lange Zeit nur gelegentlich verfolgt. In den vergangenen Jahren kommt er jedoch immer häufiger zum Einsatz. High Key ist ein fotografischer Stil, der von hellen Tonwerten, weichem Licht und geringen Kontrasten geprägt ist. Durch die bewusste Reduktion auf das Helle erhalten die verbleibenden Bildelemente oder Farben eine besondere Aufmerksamkeit und treten deutlich stärker hervor. Die Aufnahmen wirken leicht, luftig und oftmals reduziert. Dunkle Bereiche und starke Schatten werden bewusst minimiert oder ganz vermieden. Das Histogramm solcher Bilder liegt in der Regel deutlich im rechten Bereich, ohne dass dabei wichtige Bilddetails in den Lichtern verloren gehen.
In der Naturfotografie verfolgt die High-Key-Technik meist nicht das Ziel, die Natur möglichst realistisch abzubilden. Vielmehr geht es darum, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen – Leichtigkeit, Ruhe, Reinheit oder eine nahezu grafische Interpretation des Motivs. Auf diese Weise löst sich die Fotografie von einer rein dokumentarischen Darstellung und nähert sich einer subjektiveren Sichtweise. Das Bild wird stärker zur Interpretation als zur exakten Abbildung der Realität. Technisch entsteht eine High-Key-Aufnahme häufig durch eine bewusste Überbelichtung von etwa +1 bis +3 EV gegenüber der von der Kamera vorgeschlagenen Belichtung. Dabei ist darauf zu achten, dass wesentliche Motivdetails erhalten bleiben. Ein heller, möglichst strukturarmer Hintergrund erleichtert die Umsetzung erheblich. Das kann ein bedeckter Himmel ebenso sein wie ein helles Papiertaschentuch, das gezielt auf dem Waldboden platziert wird, um einen störungsfreien Hintergrund zu schaffen.
Auch in der Bildbearbeitung erfordern High-Key-Aufnahmen besondere Sorgfalt. Häufig werden die Lichter zusätzlich angehoben, die Schatten aufgehellt und die Kontraste reduziert. Je nach Motiv kann es außerdem sinnvoll sein, die Farbsättigung etwas zurückzunehmen. Ziel ist es, die helle, reduzierte Bildwirkung zu unterstützen, ohne dass die Aufnahme an Tiefe oder Aussagekraft verliert.









