Die Sommerzeit ist von der Sonne geprägt. Besonders am späten Abend entfaltet dieses uralte Sehnsuchtsmotiv seine Wirkung. Die Sonne verkörpert zugleich etwas Nahes und etwas Unerreichbares. Wir erleben ihr Licht jeden Tag, können sie selbst aber weder berühren noch erreichen. Gerade diese Spannung macht sie fotografisch und symbolisch so stark. Der Sonnenstern verstärkt in der Landschaftsfotografie die bildliche Wirkung der Sonne.

Ein Sonnenstern macht aus der Sonne nicht einfach nur eine Lichtquelle. Er zeichnet ihre Strahlkraft sichtbar ins Bild. Die Lichtstrahlen scheinen vom Mittelpunkt aus in den Raum zu greifen. Dadurch bekommt die Sonne fast etwas Überirdisches oder Ikonisches. Das ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum Sonnensterne in der Landschaftsfotografie so beliebt sind: Sie machen etwas Unsichtbares – die Ausbreitung des Lichts – sichtbar.

Doch es ist gar nicht so einfach, einen Sonnenstern überzeugend abzubilden, denn seine Erscheinung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Kürzlich hatte ich mich für einen abendlichen Ansitz auf Rehwild während der Brunft angesetzt. Da das Rehwild auf sich warten ließ und sich bei der großen Hitze auch sonst nichts zeigte, weckten die Strahlen der untergehenden Sonne mein Interesse. Immer wieder brach sich das Licht seinen Weg durch eine Eiche und eine Gruppe Weidenröschen. Mit meinem Standardzoom machte ich einige Aufnahmen, doch der Sonnenstern entsprach nicht meinen Vorstellungen.

Später wechselte ich das Objektiv und versuchte mein Glück erneut mit dem NIKKOR Z 14–24mm f/2.8 S. Nun entsprach der Sonnenstern meinen Vorstellungen. Das veranlasste mich, einmal genauer hinzuschauen und herauszufinden, welche meiner Objektive sich besonders gut für die Abbildung eines Sonnensterns eignen.

Doch zuvor einige grundsätzliche Informationen zur Entstehung eines Sonnensterns.

Wenn eine sehr helle, punktförmige Lichtquelle – beispielsweise die Sonne – im Bild erscheint oder knapp außerhalb des Bildausschnitts liegt, kann sie nicht nur als heller Fleck, sondern als Stern mit mehreren Lichtstrahlen erscheinen. Die Strahlen entstehen nicht durch Reflexionen innerhalb des Objektivs, sondern durch die Beugung des Lichts an der Blendenöffnung.

Die Anzahl und Form der Strahlen hängen deshalb ganz wesentlich von der Konstruktion der Blende ab. Vereinfacht gesagt: Die Blende im Objektiv bildet keine vollkommen runde Öffnung. Bei einer kleinen Blendenöffnung entsteht eine relativ kleine Öffnung, deren Kanten das Licht beeinflussen. Nach dem Prinzip der Lichtbeugung wird das Licht an diesen Kanten leicht aufgefächert. Bei einer punktförmigen, extrem hellen Lichtquelle wie der Sonne wird dieser Effekt bei einer kleinen Blendenöffnung – idealerweise etwa bei Blende 16 – sichtbar.

Für die charakteristische Form des Sonnensterns sind vor allem die Anzahl und die Geometrie der Blendenlamellen verantwortlich. Eine interessante Faustregel lautet: Eine gerade Anzahl von Blendenlamellen erzeugt ungefähr so viele Lichtstrahlen wie Lamellen. Eine ungerade Anzahl von Blendenlamellen ruft dagegen ungefähr doppelt so viele Lichtstrahlen wie Lamellen hervor. Nun stellt sich die Frage: Welches Objektiv eignet sich besonders gut, um einen ausgeprägten Sonnenstern hervorzurufen?

Hier kommt die Form der Blendenlamellen ins Spiel. Für ausgeprägte Sonnensterne sind häufig Objektive interessant, deren Blendenlamellen relativ gerade sind und eine eher eckige Blendenöffnung erzeugen. Weniger geeignet sind dagegen Objektive, die auch bei abgeblendeter Blende eine möglichst perfekte Kreisform bilden. Das führt zu einem wichtigen Unterschied: Gerade Blendenlamellen erzeugen bei kleinen Blendenöffnungen häufig sehr klare, lange und definierte Sonnenstrahlen. Stark gerundete Lamellen hingegen erzeugen ein schönes Bokeh mit kreisrunden Formen im Hintergrund, sind jedoch weniger geeignet für spektakuläre Sonnensterne. Kurzum: Objektive, die besonders schönes Bokeh erzeugen, sind nicht zwangsläufig diejenigen, die auch die schönsten Sonnensterne hervorbringen.

Um einen Sonnenstern als gelungenen Akzent in eine Bildidee einzubauen, sollte man mit einer kleinen Blende – beispielsweise Blende 16 – fotografieren und ein Objektiv verwenden, das über die technischen Voraussetzungen für die gewünschte Erscheinungsform verfügt. Außerdem sollte die Sonne idealerweise durch etwas „hindurchblinzeln“. Das kann ein Blätterdach, Schilf oder die Kante eines Gebäudes, eines Berges, eines Tieres oder einer Person sein.

Und genau hier beginnt für mich der schönste Aspekt der Fotografie mit einem Sonnenstern. Er ist gewissermaßen die optische „Signatur“ eines Objektivs und zugleich das Ergebnis einer spielerischen Auseinandersetzung mit dem Motiv. Dabei wünsche ich viel Freude beim Ausprobieren.

Nach meiner Auseinandersetzung mit dem Sonnenstern habe ich meine am häufigsten verwendeten Objektive auf ihre „Sonnensterntauglichkeit“ hin überprüft.

Das ist mein Ergebnis:

Platz 1: NIKKOR Z 20mm f/1.8 S
Platz 2: NIKKOR Z 14–24mm f/2.8 S
Platz 3: NIKKOR Z 24–120mm f/4 S
Platz 4: NIKKOR Z 24–70mm f/2.8 S II
Platz 5: NIKKOR Z 14–30mm f/4 S

Weniger geeignet erscheint mir dagegen das NIKKOR Z 24–70mm f/2.8 S.

Mein Fazit lautet: Wenn man das Gewicht des Objektivs, die Flexibilität in der Handhabung sowie die Abbildungsleistung und Qualität des Sonnensterns in Waagschale wirft, dann ist meine Empfehlung das NIKKOR Z 24–120mm f/4 S.

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 24–70mm f/2.8 S II.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 20mm f/1.8 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 20mm f/1.8 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 14–24mm f/2.8 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 24–120mm f/4 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 24–120mm f/4 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 24–120mm f/4 S.

 

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR Z 24–120mm f/4 S.

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