Jürgen Borris, Bernhard Volmer und ich haben wir das Projekt „Wildnis Niedersachsen“ entwickelt. Die dazugehörige Ausstellung zog nun vom „Emsland Moormuseum“ an die Elbe. Im wunderschönen „Natureum Niederelbe“ wird die Ausstellung bis Ende September zu sehen sein. Anlässlich der Ausstellungeröffnung führte der Geschäftsführer des Natureums, Lars Lichtenberg, mit nachstehenden Worten in die Ausstellung ein:

„Es ist schon ein besonderer Moment, Sie alle heute hier im Natureum Niederelbe begrüßen zu können. Die letzte Ausstellungseröffnung konnten wir im März 2019 begehen, als wir unsere Sonderausstellung „Fisch“ der Öffentlichkeit präsentierten. Und nun, nach über zwei Jahren coronabedingter Zwangspause, endlich wieder eine Eröffnung. Und dazu die Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung. Unser wunderbares Bundesland wird am 1.11.2021 75 Jahre alt. Ein Bundesland mit Ecken und Kanten, mit Küsten und Bergen, mit Ballungszentren und mit weiten Räumen. Und mit Wildnissen, wie wir durch diese Ausstellung sehen werden. Aber was sind das für Wildnisse und wo sind diese zu finden?

Nicht ganz 8 Millionen Menschen wohnen in unserem Bundesland auf einer Fläche von 47.600 km². Damit beträgt die Bevölkerungsdichte 168 Menschen je Quadratkilometer. Das liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 233 EW/qm. Niedersachsen ist also ein Flächenland. Aber ist es deshalb eine Wildnis?

Unser Bundesland ist agrarisch geprägt. Hier wird, so kann es einem manchmal vorkommen, jeder Quadratmeter Boden landwirtschaftlich genutzt oder ist bebaut. Doch das stimmt nicht. In Natur- und Landschaftsschutzgebieten, in kleinen, oftmals schwierig zugänglichen Flächen oder in Bereichen, die einfach von der Siedlungspolitik nicht beachtet oder vergessen wurden, da hat sich eine ungezähmte Natur erhalten, bzw. zurück entwickelt. Ungehemmter Pflanzenwachstum, seltene Flora und rar gewordenen Tierarten bevölkernd diese Gebiete, die als „Wildnisse“ bezeichnet werden. Einige Wildnisse sind gleich auf den ersten Blick spektakulär. Nehmen wir die weiten Flächen des niedersächsischen Wattenmeeres als Beispiel, oder die großen Flächen in der Heide, oder die ausgedehnten Wälder im Harz. Andere Wildnisse hingegen zeigen sich im Vorborgenen und öffnen das Herz des Betrachters erst durch den zweiten Blick. Vielleicht bleibt die Wildnis sogar unerkannt.

Als „wild“, so definiert es der Einleitungstext der Ausstellung, wird eine Landschaft dann bezeichnet, „wenn die Natur ihren Lauf nehmen darf“. Der Mensch also in bestimmte Prozesse, Phänomene und Entwicklungen nicht eingreift. Und so kommt manch eine Wildnis erst bei einem genaueren Blick, bei einer Reflektion des Motives, wahrnehmbar daher. Nehmen wir als Beispiel unser Vogelschutzgebiet „Hullen“ direkt vor der Tür. Die Luftaufnahmen zeigen eine flache, von Gräben durchzogene und somit kultivierte und regulierte Landschaft. Doch alljährlich ziehen zehntausende von Zugvögeln in dieses Gebiet, um zu überwintern. Sie sind vor dem Eingriff des Menschen in dem Schutzgebiet sicher und verwandeln dieses Areal in eine Wildnis – auch mit allen Problemen die sich daraus, beispielsweise für die Landwirtschaft, ergeben.

Die kleinen, wilden Habitate sind oft wunderschön, jedoch gehen die Anforderungen der Initiative „Wildnis in Deutschland“ für eine echte Wildnis viel weiter. Die Flächen von Wildnissen sollten mindestens 1000 Hektar (10 km²) groß sein, nur bei Mooren und Küstengebieten wird eine Fläche von 500 Hektar als ausreichend angesehen. Der Eingriff des Menschen in diese Flächen ist auf unbedingt nötiges Minimum zu beschränken und die Flächen sollen dauerhaft rechtlich geschützt sein, beispielsweise durch Ausweisung als Naturschutzgebiete. Warum sind Wildnisse aber so wichtig? Wildnis sichert die biologische Vielfalt, Wildnis hilft dem Klima, Wildnis schützt Lebensräume, um nur drei Argumente zu nennen.

Der Anspruch der Bundesregierung war es, bis zum vergangenen Jahr, 2% der Fläche der Bundesrepublik in Wildnis zu verwandeln. Der WWF gab Anfang dieses Jahres bekannt, dass die erreichte Fläche nur 0,6% beträgt. Damit ist dieses ehrgeizige Ziel um rund 5000 km² verfehlt worden. Wer aufgepasste hat, wir erkennen, dass es sich hierbei immerhin um 1/10 der Fläche unseres Bundeslandes handelt! Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen mit dem Thema Wildnis beschäftigen, die Wichtigkeit, die Vielfalt und letztlich auch die Schönheit erkennen.

Jürgen Borris, Willi Rolfes und Bernhard Volmer haben sich mit dem Objektiv auf die Suche nach großen und kleinen Wildnissen gemacht und sie gefunden. In Bits und Bytes festgehalten, dokumentieren sie den Teil unseres Bundeslandes, der für viele Unbekannt ist, oder den man bisher mit anderen Augen sah. Ich freue mich, dass wir diese Ausstellung, die im Emsland Moormuseum in Geste kuratiert wurde, hier bei uns über den Sommer zeigen können. Es sind beeindruckende Fotografien, die uns hier erwarten und ich lade Sie herzlich ein, gleich eine Entdeckungsreise zu wagen. Und diesmal wird es eine analog visuelle und nicht, wie leider in den vergangen 15 Monaten allzu häufig, eine digital virtuelle.“

Zum heimlichen Star der Veranstaltung entwickelte sich Steinkauz Julia. Die kleine Eulendame wurde von einer Mitarbeiterin des Natureum von Hand aufgezogen und folgt ihr nun bei allen Anlässen. Da ist die Eröffnung der Ausstellung „Wildnis Niedersachsen“ nicht die schlechteste Entscheidung.

In den Räumlichkeiten des Naturuem Niederelbe werden die Arbeiten großzügig präsentiert.

 

Naturfotograf Jürgen Borris hatte Freude an seiner neuen „Freundin“.

 

Im Turm der Einrichtung werden unter anderem die Bilder vom Wattenmeer gezeigt.

 

Moore sind „wilde Inseln“ in der Landschaft.

 

Selten gesehen, ein Gruppenbild mit Damen: Jürgen und Angelika Borris, Bernhard und Adelheid Volmer, sowie Adelheid und Willi Rolfes

 

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