Es ist jedes Jahr dasselbe. Ich kann es kaum erwarten, dem ersten Aurorafalter zu begegnen. Entlang des Moorbachs, der nach Westen meine Heimatstadt Vechta verläßt, gibt es eine breite Uferzone, die wenig Vegetation aufweist und den Charakter einer Feuchtwiese hat. Hier blüht  Ende April das Wiesen-Schaumkraut, die Raupennahrungspflanze des Aurorafalters. Ab Mitte April geht allmorgendlich auf dem Weg zur Arbeit ein Blick aus dem Auto auf das gegenüberliegende Ufer. Sobald ein blasses Lila oder Rosa aus der Vegetation leuchtet, führt mich mein Weg am Abend zum Moorbach, um nach den ersten Schmetterlingen zu suchen. In diesem kalten Frühjahr dauerte es vergleichsweise lange bis ich den ersten Falter fand.

Aurora hieß im alten Rom die Göttin der Morgenröte. Und tatsächlich erinnert der orange Fleck auf der Flügeloberseite es männlichen Falters an die Farbe des Sonnenaufgangs. Allerdings besuche ich die Schmetterlinge bevorzugt zunächst am Abend. So entdecke ich ihre Schlafplätze an den Pflanzen. Am folgenden Morgen suche ich diese Punkte gezielt auf, um im ersten Morgenlicht die Falter zu fotografieren. Denn jetzt verharren sie geduldig, bis die Frühlingssonne sie ruft.

Die fotografische Herangehensweise ist schnell beschrieben: Zunächst ist zu bedenken, dass wir als Fotografierende keinen „bleibenden Eindruck“ in der Natur hinterlassen sollten. Darum ist ein kleines Gepäck und ein wohl gewählter Ablageort für den Fotorucksack wichtig. Ich beschränke mich sogar meist nur auf mein Stativ mit einem Kugelkopf, ein Makroobjektiv mit 200 mm Brennweite, einer Kamera und einem Aufheller. Das Stativ sollte bodennah zu verwenden sein. Ich nutze ein Gitzo Systematik Stativ der Serie 4 und bin damit sehr zufrieden. Bei der Wahl der Stativkopfs sollte man den Merksatz „Dicke Kugel und kurzer Hals“ berücksichtigen. Das ergibt bei der Handhabung sehr weiche und gut kontrollierbare Bewegungen und vermeidet eingeklemmte Finger. Mein Empfehlung ist Kopf von Really Right Stuff BH-55 Pro. Der Kugelkopf ist zwar vergleichsweise teuer, dafür braucht man ihn auch nur einmal im Leben kaufen und hat ständig Freude daran.

Bei der Bildgestaltung ist mir ein weicher, gut aufgelöster Hintergrund wichtig. So wird das Hauptmotiv separiert und bekommt die gebührende Aufmerksamkeit. Um den Hintergrund weich aufzulösen, ist ein tiefer Aufnahmestandpunkt wichtig. So werden zumeist schon störende Strukturen im Hintergrund vermieden. Aber auch die Wahl der Blende und der Brennweite wirken sich auf den Blindendruck aus. Je länger die Brennweite, desto unschärfer erscheint bei gleichem Setting der Hintergrund. Vorzugsweise nutze ich das Gegenlicht, denn es hat verschiedene Vorteile. Besonders die Farbigkeit, die Tiefe und der Lichtsaum fallen für mich bei solchen Motiven ins Gewicht.

Das frühe Morgenlicht kennzeichnet dieses Motiv.

 

Die unscharfe Pflanze im Hintergrund verleiht dem Bild Tiefe und Spannung.

 

Mit Abstand betrachtet erfährt man mehr über den Lebensraum des Aurorafalters.

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