Das Hauptmotiv steht – wie der Name schon sagt – oft im Mittelpunkt des fotografischen Schaffens. Allerdings kann man auch denken, dass eine Fotografie nur als Ganzes existiert und somit aus allen Bildelementen besteht: den wichtigen und eher unwichtigen, dem Vordergrund und dem Hintergrund, dem Gegenständlichen und dem Abstrakten oder den scharfen und unscharfen Bereichen, um nur einige Beispiele zu nennen. Eine besondere Bedeutung erlangte in den vergangenen Jahren der Hintergrund. Im Zuge der fotografischen Entwicklung von der reinen Dokumentation hin zu einer erzählerischen und emotionalen Bildsprache, wurde dem Bokeh viel Aufmerksamkeit geschenkt. Bisher galt es in der Makrofotografie eher als zielführend, beispielsweise einen Pilz freigestellt vor einem ruhigen Hintergrund zu zeigen. Heute kommen auch bzw. gerade andere Darstellungsformen in Betracht. Gerne werden Blubs, möglichst runde Lichtpunkt im Hintergrund, als Gestaltungselemente gewählt. Dazu wird tendenziell eher eine kürzere Brennweite bei offener Blende verwendet. Auch bestimmte Objektive, wie das Trioplan von Meyer-Görlitz erlebten eine Renaissance.

Das hier gezeigte Bild spielt mit dem Bokeh im Hintergrund. Die Pilze wurden bewusste klein ins Bild gesetzt, um sie im Licht- und Formenspiel des Waldes zu zeigen. Mit einem 105er Makro-Objektiv und dem Aufnahmeabstand zu den Pilzen wurde der Raum „geschaffen“ in dem sich die Lichtreflexe ereignen können. Das einfallende Licht im Blätterdach des Waldes ändert sich ständig. Wind und Lichteinfall erschaffene unablässig neue Situationen. Daher empfiehlt es sich, viele Aufnahmen zu machen, um sich später die beste Situation aussuchen zu können.

Damit die Pilze nicht nur als Silhouette abgebildet werden, habe ich die im Beitrag Nummer 37 gezeigte Lichtquelle links unten am Bildrand positioniert. Dank der Lampe erscheinen die Pilze in einem warmen Farbton. Die Richtung der Blubs nimmt Bezug auf die Pilze am Altholz.

Auch die Objektiv-Hersteller gehen in jüngerer Zeit auf die Bedeutung des Bokehs ein. Nicht nur, dass die Firma Meyer-Görlitz mit ihren legendären Objektiven neu gegründet wurde. Diese Aufnahme entstand mit dem neuen NIKKOR Z MC 105 mm 1:2,8 VR S. Bei der Konstruktion des Objektivs wurde bewußt auf abgerundete Blendenlamellen gesetzt. In der Vergangenheit waren runde Abbildungen der Kreise im Hintergrund nur bei offene Blende möglich. Heute zeigt sich diese Anmutung auch bei schrittweise geschlossener Blende. Diese Aufnahme entstand mit Blende 5. Jüngst brachte die Fa. Canon ein Makroobjektiv heraus, mit dem man einen Weichzeichnereffekt und Bokeh-Kontrolle durch variable Einstellung der sphärischen Aberration erzielen kann.

Die Werkzeuge sind da! Machen wir Bilder …

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