Fragt man Naturfotografen, was ein besonderes Bild ausmacht, wird häufig zunächst über Technik gesprochen: über das verwendete Objektiv, dessen Abbildungsleistung oder über die Seltenheit eines Motivs. Meiner Ansicht nach zeichnet sich eine besondere Naturfotografie jedoch nicht allein dadurch aus, was fotografiert wird, sondern vor allem dadurch, wie es gezeigt wird. Viele Menschen können denselben Berg, denselben Wald oder denselben Vogel fotografieren. Doch nur wenige Bilder schaffen es, Aufmerksamkeit zu wecken, Emotionen hervorzurufen oder dem Betrachter eine neue Perspektive zu eröffnen.

Ein gelungenes Bild lässt sich gut mit einem gelungenen Menü vergleichen. Es besteht aus vielen Zutaten, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Und wie bei einem guten Menü spielt auch die Präsentation eine wichtige Rolle. Erst das Zusammenspiel aller Elemente macht das Ergebnis besonders. Zu den wichtigsten Zutaten einer gelungenen Naturfotografie zählen für mich Licht und Komposition. Hinzu kommt der besondere Moment: ein Vogel im Start, ein Sonnenstrahl, der plötzlich durch die Wolken bricht, oder eine unerwartete Begegnung. Auch die Perspektive ist entscheidend, denn sie kann Vertrautes auf ungewohnte Weise zeigen. Darüber hinaus sind Geduld und Vorbereitung oft unverzichtbar auf dem Weg zum besonderen Bild. Neben technischen Aspekten wie Schärfe, Farben, Belichtung oder geringem Bildrauschen ist letztlich die Bildaussage entscheidend – die Geschichte, die ein Foto erzählt. Eine Naturfotografie kann informieren, Emotionen wecken und eine besondere Atmosphäre schaffen. Besondere Naturfotografie entsteht dort, wo Licht, Komposition, Timing und eine persönliche Sichtweise zusammenkommen. Ziel ist es nicht nur, die Natur abzubilden, sondern den Betrachter für einen einzigartigen Moment zu begeistern.

Wenn ich diese Maßstäbe an das Bild des Grünschenkels anlege, dann erfüllt es in meiner Wahrnehmung vieles von dem, was ich beschrieben habe. Und doch gibt es noch einen weiteren Aspekt, der bisher unerwähnt geblieben ist. Er beginnt lange vor dem eigentlichen Fotografieren – noch bevor man überhaupt in die Natur aufbricht. Gemeint ist die Vorstellung davon, welches Bild man sich erhofft. Nicht als starres Konzept, sondern als Idee, die man sich erarbeiten oder vielleicht auch von der Natur schenken lassen möchte. Daraus ergeben sich wichtige Fragen: Wo und wann ist das Motiv zu erwarten? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein? Und welche Voraussetzungen muss ich selbst schaffen?

Die besondere Nähe und Intensität dieses Bildes entstehen aus meiner Sicht vor allem durch den gewählten Aufnahmestandpunkt. Um diese Perspektive zu erreichen, musste ich mich über viele Stunden dicht über dem Wasserspiegel aufhalten. Dafür war zunächst ein entsprechend vorbereitetes Versteck erforderlich. Die Atmosphäre des Bildes wird zudem vom warmen Gegenlicht des frühen Morgens geprägt, kurz nach Sonnenaufgang. Auch das ist kein Zufall. Das Versteck wurde bewusst so konzipiert und ausgerichtet, dass genau diese Lichtstimmung möglich wird.

Manchmal sind es eben die letzten Zentimeter – der etwas niedrigere Standpunkt, die etwas günstigere Position oder die zusätzliche Stunde Geduld –, die den Unterschied zwischen einem guten und einem besonderen Bild ausmachen.

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