Jetzt im Hochsommer, wenn alles blüht, beginnt die Zeit der Insekten. Bei dieser Hitze suchen die meisten Tiere Zuflucht im Schatten und schränken ihre Aktivitäten während des Tages auf das Nötigste ein. Anders ist es bei den wärmeliebenden Insekten.

Im Umweltzentrum unserer Akademie gibt es mehrere Bienenvölker, die dort gehalten werden, um den zahlreichen Besuchern das Leben der Bienen näherzubringen. Damit man einmal einen Blick in einen Bienenstock werfen kann, gibt es sogar einen Schaukasten. Er lässt sich öffnen, und hinter einer Scheibe kann man die Waben, die Aktivitäten der Bienen und mit etwas Glück sogar die Königin beobachten.

Der Bienenstock ist für die Bienen über einen kleinen Eingang mit einer Landerampe zu erreichen. Bei sonnigem Wetter stauten sich die Bienen förmlich vor dem Eingang in der Luft. Offensichtlich hatten sie keine Mühe, in dem großen, naturnahen und bienenfreundlich gestalteten Garten Blütenpollen zu finden und diesen anschließend in den Bienenstock einzutragen.

Diese Beobachtung weckte in mir die Idee, eine Honigbiene im Flug zu fotografieren. Früher hätte ich dazu eine Lichtschranke installiert und mehrere Blitzgeräte aufgebaut. Mit einer Leistung von 1/32 und einer Leuchtzeit von 1/16.000 Sekunde hätte ich die Bewegung des Insekts „eingefroren“. Doch solche Bilder wirken mit meinem heutigen Bildverständnis zu technisch und zu clean.

Also wählte ich einen anderen fotografischen Ansatz. Zunächst beobachtete ich einige Zeit aufmerksam das Verhalten der Bienen, die zum Bienenstock zurückkehrten, um Verhaltensmuster aufzuspüren. Die Mitte der Landerampe vor dem Eingang schien mir geeignet, um den Fokus meiner Kamera dorthin auszurichten.

Anschließend wählte ich horizontal eine Strecke von rund zehn Zentimetern aus, innerhalb derer die Bienen im Bild erscheinen sollten. Da eine größere Tiefenschärfe die Chance auf ein scharfes Bild erhöht, wählte ich Blende 11. Nun musste noch geklärt werden, welche Belichtungszeit erforderlich ist, um eine fliegende Biene im Anflug wirklich scharf abzubilden.

Nach einigen Experimenten und Versuchsreihen entschied ich mich für eine Belichtungszeit von 1/4000 Sekunde. Das trieb den ISO-Wert selbst bei hellem Sonnenlicht merklich nach oben. Die hier gezeigten Bilder sind mit ISO 4000 aufgenommen und anschließend in Adobe Lightroom Classic entrauscht worden. Selbst bei den feinen Details der Insekten sind die Ergebnisse umwerfend. Mit dem KI-basierten Entrauschen muss man vor ISO-Werten von 3200 oder deutlich höher heute keine Angst mehr haben.

Nach einigen Probeaufnahmen kontrollierte ich die Ergebnisse vor Ort auf dem Notebook. Anschließend nahm ich leichte Anpassungen vor, beispielsweise beim Fokus oder bei der Gestaltung des Vordergrunds. Dann entstanden 2.000 Aufnahmen, bevor die nächste Durchsicht erfolgte.

Insgesamt sind an zwei Tagen rund 10.000 Bilder entstanden. Davon sind meines Erachtens 25 Fotos wirklich ausgezeichnet.

Diese kurze Hintergrundgeschichte zeigt, dass starke Naturbilder nicht im Vorbeigehen entstehen. Sie sind vielmehr das Ergebnis konzeptioneller Arbeit, genauer Beobachtung und – nicht zuletzt – einer großen Zahl von Versuchen.

Nicht weit entfernt von der Wallhecke im Umweltzentrum steht das Bienenvolk.

 

Biene im Anflug.

 

Der bewußt gestaltete Vordergrund definiert den Raum und bringt Farbe ins Bild.

 

Meistens gab es Gedränge am Einflugloch.

 

Der mitgebrachte Pollen wir am Hinterbei der Biene transportiert. Er wird angefeuchtet und im sogenannten „Pollenhöschen“ angeklebt.

 

Die Wahrscheinlichkeit ein scharfes Bild von zwei fliegenden Honigbienen zu erhalten, lag bei 1:10.000.

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